Das Wichtigste auf einen Blick
- Judo bedeutet «sanfter Weg» – die Technik siegt über rohe Kraft
- Olympische Sportart seit 1964 mit über 40 Millionen Aktiven weltweit
- Perfekt für Selbstverteidigung: Würfe, Haltegriffe und Hebeltechniken
- Einstieg ab 5 Jahren möglich, Vereinsbeitrag CHF 250–450 pro Jahr
Judo ist die Kunst, den Gegner mit minimaler Kraft zu besiegen. Der japanische Kampfsport nutzt die Energie des Angreifers gegen ihn selbst. Ein 60-Kilo-Judoka kann einen 100-Kilo-Gegner elegant zu Boden werfen – wenn die Technik stimmt. Dieser Ratgeber zeigt dir die wichtigsten Würfe, Bodentechniken und wie du mit Judo beginnst. Mehr über Judo und andere Disziplinen findest du in unserem Überblick zu Kampfsportarten.
Was ist Judo?
Judo wurde 1882 von Jigoro Kano in Japan entwickelt. Er kombinierte die effektivsten Techniken verschiedener Jiu-Jitsu-Schulen zu einem neuen System. Das Ziel: maximale Wirkung bei minimalem Aufwand.
Der Name setzt sich zusammen aus «Ju» (sanft, flexibel) und «Do» (Weg). Die Philosophie dahinter: Nachgeben, um zu siegen. Statt Kraft gegen Kraft zu setzen, nutzt der Judoka die Bewegung des Gegners aus.
Seit 1964 ist Judo olympisch. Heute trainieren über 40 Millionen Menschen weltweit diesen Sport. In der Schweiz gibt es rund 300 Vereine mit etwa 25’000 aktiven Mitgliedern.
Die wichtigsten Judotechniken
Judo kennt drei Hauptkategorien von Techniken:
| Kategorie | Japanisch | Beschreibung |
|---|---|---|
| Wurftechniken | Nage-waza | Gegner zu Boden werfen |
| Bodentechniken | Ne-waza | Halten, Würgen, Hebeln |
| Falltechniken | Ukemi | Sicher fallen lernen |
Die 5 wichtigsten Würfe für Anfänger
| Wurf | Deutsch | Schwierigkeit | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| O-soto-gari | Grosse Aussensichel | Einfach | Bein von aussen wegfegen |
| O-goshi | Grosser Hüftwurf | Einfach | Klassiker über die Hüfte |
| Seoi-nage | Schulterwurf | Mittel | Gegner über Schulter werfen |
| Uchi-mata | Innerer Schenkelwurf | Fortgeschritten | Bein zwischen Gegnerbeine |
| Harai-goshi | Hüftfeger | Mittel | Kombination Hüfte + Beinfeger |
Bodentechniken (Ne-waza)
Am Boden geht der Kampf weiter. Drei Technikkategorien:
Haltegriffe (Osaekomi-waza): Den Gegner 20 Sekunden am Boden fixieren bringt Ippon (voller Punkt).
Würgegriffe (Shime-waza): Kontrolliertes Würgen bis zur Aufgabe. Nur für Fortgeschrittene.
Hebeltechniken (Kansetsu-waza): Armhebel zwingen zur Aufgabe. Im Wettkampf nur am Ellbogen erlaubt.
Das Gürtelsystem im Judo
Der farbige Gürtel zeigt den Fortschritt des Judokas:
| Gürtel | Farbe | Stufe | Typische Trainingszeit |
|---|---|---|---|
| Mukyu | Weiss | Anfänger | 0–6 Monate |
| 5. Kyu | Gelb | Grundstufe | 6–12 Monate |
| 4. Kyu | Orange | Grundstufe | 1–2 Jahre |
| 3. Kyu | Grün | Mittelstufe | 2–3 Jahre |
| 2. Kyu | Blau | Mittelstufe | 3–4 Jahre |
| 1. Kyu | Braun | Oberstufe | 4–5 Jahre |
| 1.–5. Dan | Schwarz | Meistergrade | 5+ Jahre |
Die Prüfungen umfassen Technik-Demonstrationen, Kata (Formen) und Randori (Übungskampf).
Training und Tipps für Einsteiger
Der typische Trainingsablauf
Ein Judo-Training dauert 60–90 Minuten:
- Aufwärmen (15 Min): Laufen, Gymnastik, judospezifische Übungen
- Fallschule (10 Min): Ukemi – sicher fallen lernen
- Techniktraining (30 Min): Würfe und Bodentechniken üben
- Randori (20 Min): Freier Übungskampf
- Abwärmen (10 Min): Dehnen, Meditation
Die ersten Schritte
Beginne mit der Fallschule. Bevor du wirfst, musst du fallen können. Die Ukemi-Techniken schützen dich vor Verletzungen und nehmen die Angst vor dem Geworfen-werden.
Tipp: Trage unter dem Judogi (Anzug) keine Kleidung mit Reissverschlüssen oder harten Elementen.
Wer nach einer Kampfsportart mit mehr Schlag- und Tritttechniken sucht, findet bei Ringen einen verwandten Griffkampfsport.
Ausrüstung und Kosten
Was du brauchst
| Ausrüstung | Beschreibung | Kosten (CHF) |
|---|---|---|
| Judogi (Anzug) | Weisse Jacke + Hose | 40–120 |
| Gürtel | Im Anfängeranzug enthalten | 10–20 |
| Zori (Sandalen) | Für den Weg zur Matte | 15–30 |
| Ohrenschutz | Optional, für Wettkämpfer | 20–40 |
Gesamtkosten Anfänger: CHF 50–150
Vereinskosten
| Posten | Kosten pro Jahr (CHF) |
|---|---|
| Mitgliedschaft Erwachsene | 300–500 |
| Mitgliedschaft Kinder | 200–350 |
| Lizenz Swiss Judo | 60–80 |
| Wettkampf-Startgelder | 20–40 pro Turnier |
Judo in der Schweiz
Swiss Judo & Ju-Jitsu
Der Schweizerische Judo und Ju-Jitsu Verband (SJV) organisiert den Sport national. Rund 300 Vereine bieten Training an – von Grossstädten bis in kleine Gemeinden.
Bekannte Schweizer Judokas
- Sergei Aschwanden: Olympia-Bronze 2008, mehrfacher EM-Medaillengewinner
- Evelyne Tschopp: Europameisterin, Olympiateilnehmerin
- Nils Stump: Aktueller Spitzenkämpfer, EM-Medaillengewinner
Verein finden
Auf sjv.ch findest du alle Vereine in deiner Nähe. Die meisten bieten kostenlose Schnuppertrainings an.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Judo gut zur Selbstverteidigung?
Ja, Judo ist hervorragend für die Selbstverteidigung. Die Wurftechniken sind in realen Situationen sehr effektiv. Du lernst, einen Angreifer schnell zu Boden zu bringen und dort zu kontrollieren. Bodentechniken wie Haltegriffe ermöglichen es, den Gegner zu fixieren, ohne ihn ernsthaft zu verletzen. Viele Polizei- und Sicherheitskräfte trainieren Judo-Techniken.
Was ist der Unterschied zwischen Judo und Jiu-Jitsu?
Judo fokussiert auf Würfe und sportlichen Wettkampf, Jiu-Jitsu ist umfassender. Judo wurde aus Jiu-Jitsu entwickelt und konzentriert sich auf Wurf- und Bodentechniken ohne Schläge. Jiu-Jitsu (besonders Brazilian Jiu-Jitsu) betont den Bodenkampf stärker. Im klassischen Jiu-Jitsu sind auch Schläge und Tritte enthalten. Für Wettkampfsport ist Judo strukturierter, für reine Selbstverteidigung bietet Jiu-Jitsu mehr Vielfalt.
Ab welchem Alter können Kinder mit Judo beginnen?
Kinder können ab 5–6 Jahren mit Judo starten. In diesem Alter lernen sie spielerisch die Fallschule und erste einfache Techniken. Der Fokus liegt auf Koordination, Spass und sozialer Entwicklung. Ab 8–10 Jahren wird das Training technischer. Judo fördert Disziplin, Respekt und Selbstvertrauen – Werte, die auch ausserhalb der Matte wichtig sind.
Fazit
Judo ist mehr als ein Kampfsport – es ist eine Lebensschule. Die Philosophie des «sanften Weges» lehrt, mit Köpfchen statt mit Kraft zu siegen. Der Sport eignet sich für alle Altersgruppen und bietet neben Fitness auch praktische Selbstverteidigungsfähigkeiten.
Neugierig geworden? Finde einen Verein in deiner Nähe und erlebe selbst, was Judo ausmacht. Weitere Kampfsportarten findest du in unserem Kampfsportarten-Ratgeber.